Kashgar

In Kashgar, der westlichsten Stadt Chinas in der Provinz Xinjiang, bekommt man sehr gut einen Eindruck davon, was Minderheiten und deren Kultur für die Regierung in Beijing bedeuten. So werden zum Beispiel systematisch Han-Chinesen, die mehr als 90% der Gesamtbevölkerung Chinas ausmachen, in Gebiete geschickt, die einst nur von den Uiguren besiedelt waren. Vor allem die Polizei und die Verwaltung werden von Han-Chinesen geführt, was einseitige Machtverhältnisse in Städten wie Kashgar, Hotan, Aksu und Ürümqi erzeugt. Diese Unterdrückung äußert sich in diversen Attacken durch Uiguren gegen die Han-Chinesen, wobei letztere durch ihre bessere Ausrüstung mit Waffen und Uniformen die Vorteile auf ihrer Seite haben. Eine weitere Entwicklung, die man aber auch in Yuangyang sehen kann, ist die gnadenlose Zerstörung von kulturellem Gut. So wurde zum Beispiel in Kashgar der komplette Stadtkern, welcher aus Lehmhäusern bestand, abgerissen und wieder neu aufgebaut. Die dort lebenden Menschen, nahezu ausschließlich Uiguren, müssen sich dabei einen anderen Ort zum Leben suchen. Erst wenn die neuen Häuser wieder stehen können sie zurück in die „Altstadt“. Eine weitere Absurdität, welche von der Regierung in Beijing vorgeschrieben wird, ist die Tatsache, dass nur eine Zeitzone in China exisitiert. Das führt dazu, dass es in Kashgar um 23 Uhr noch hell ist und die Uiguren als eine Form des Protestes ihre eigene Zeit haben.

Für die Regierung in Beijing spielt die Xinjiang Provinz, welche aus meiner Sicht die schönste und vielfältigste ist, eine wichtige Rolle, da sich dort Ölvorkommen finden lassen. Ebenso findet man in den großen Wüstengebieten, wie der Taklamakan oder Teile der Gobi Wüste, riesige Windparks die über ebenso große Stromtrassen mit den Millionenstädten im Osten verbunden sind.

Kashgar war der Startpunkt des längsten und aufregendsten Trips, den ich in China angetreten bin. Von dort bin ich mit insgesamt fünf Zugfahrten in die Hauptstadt Beijing gefahren. Diese mehr als 5000 km lange Strecke brachte mich mit insgesamt fünf Zugfahrten, davon zwei mehr als 24h lang, zu den Orten Dunhuang, Zhangye und Hohhot (Nei Mongol). Vor allem in der Provinz Xinjiang passiert man dabei schnee-bedeckte Berge mit Gletschern, kilometerlangen Wüsten und Oasen. Dies war ein unglaubliches Erlebnis mit einzigartigen Eindrücken über die Vielfalt und Schönheit eines Landes, das einfach wegen der eigenen Menschen nicht das Interesse von anderen Ländern bekommt, das es eigentlich verdient hätte.