Reis – Yuanyang

Die Suche nach einzigartig reflektierenden Reisterrassen im Morgen- oder Abendlicht führte mich in das Gebiet von „Yuanyang“ im Süden der Provinz Yunnan. Nur wenige Kilometer von der Grenze zu Vietnam entfernt und mit tropischen Temperaturen gesegnet ist hier die Reisproduktion seit langem etabliert. Dieses Wetter bietet nicht nur für den Anbau von Reis hervorragende Bedingungen, sondern ebenso gute für Bananen. So sieht man auf der Busfahrt großflächige Plantagen mit Bananenstauden, die sich bis zum Ende jeden Seitentals zu erstrecken scheinen. Auf jeden Fall eine gute Ecke für Radfahrer, die ja gerne mal eine „Affenwurst“ (so der in der Radwelt übliche Fachbegriff) verzehren.

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Letzten Endes befindet man sich aber doch in einem Meer aus Reisterrassen und ist bei ihrem ersten Anblick wirklich begeistert. An steilen Hängen reihen sich kleine mit Wasser geflutete Wannen, in denen der Reis angebaut wird. Nichts wäre in diesem Moment wohl schöner als sich mit einem kühlen Bier dort hineinzulegen und den Sonnenuntergang zu genießen. Verbringt man aber mehr Zeit in diesem Gebiet werden die Terrassen selbst, auch trotz wechselndem Gebiet repetitiv und man beginnt nach anderen Perspektiven und Motiven zu suchen. Die Möglichkeiten beschränken sich dann auf einen Spaziergang durch die Terrassen oder durch eines der vielen Dörfer, wo man noch heute lokale Menschen (fast ausschließlich Frauen) mit ihren traditionellen Gewändern sieht. Ich kann nicht sagen, ob dies von dem Unternehmen, das den „Touristenspot“ betreibt, vorgeschrieben wird oder tatsächlich aus deren eigenem Antrieb geschieht.

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Und mit dem Wissen, dass hier eine Geld-suchende Maschinerie aktiv ist, verliert dieser Ort ein wenig seinen Glanz. Ist man nicht mehr geblendet von den Reflektionen der Reisterrassen sieht man unzählige Baustellen von neuen Hotels. Die vielen Schotter- und Steinhaufen auf den Straßen machen ein reibungsloses Durchkommen fast unmöglich. Das Dorf (Douyishu), in dem ich übernachtet habe, wurde, da bin ich mir sicher, auch erst kürzlich „hochgezogen“. In den Reisterrassen findet man unterhalb der Dörfer zudem äußerst viel Müll. Alles sicherlich keine Dinge, die man sehen will, aber vielleicht doch erwartet hat. Sucht man aber nach mehr Authentizität findet man auch diese und man gewinnt den Eindruck, etwas spannendes gesehen zu haben wieder zurück.